Freitag, 1. Oktober 2010

Vanillepudding - The Real Deal

Das aktuelle Kochtopf-Blog-Event von Schnickschnackschnuck schimpft sich "The Real Deal" und befasst sich mit Fertigprodukten. Natürlich sollen keine Fertigprodukte "gekocht" werden. Vielmehr geht es darum zu zeigen, wie man aus dem Alltag bekanntes Convenience Food selbermachen kann und damit auf fragwürdige Inhalts- und Zusatzstoffe verzichten kann.

Mir kam als erstes der gute alte Pudding in den Sinn. Schon lange habe ich vor einen solchen Pudding mal selberzumachen. The Real Deal ist nun also der letzte Stein des Anstoßes. Ich kenne und liebe ihn schon seit meiner Kindheit. Bei Oma gabs ihn oft zum Dessert. Die Frage war immer nur Schoko oder Vanille? Ich mag beides - hauptsache es ist ein riesiger Klecks Sahne dabei. Und eine Haut darf der Pudding natürlich auch haben. Ich gehöre auch zu den Leuten die sich sehr gerne für den Rest der Familie "opfern" und die Haut alleine verspeisen. Oft genug habe ich versucht als Ausgleich für meine "Opferbereitschaft" auch die komplette Haut eines Grillhähnchens zu bekommen. Wer die Puddinghaut essen "muss" sollte auch Anspruch auf die komplette Hähnchenhaut haben! Leider bin ich damit nie durchgekommen.

Seit geraumer Zeit verspeist auch die Kamerafrau immer mal wieder einen Pudding - aus dem Becher. Weil der so schön sahnig und cremig ist - im Gegensatz zu dem vom Doktor. Jetzt ist es an mir zu zeigen, dass selbstgemacht genau so lecker sein kann. Zudem verzichte ich durch das Selbermachen auf einige merkwürdige Zutaten:
Im Pulver vom Doktor finden sich in der vanilligen Version des Puddings: Stärke, Kochsalz, Aroma (welcher Art ist nicht näher erläutert) und die Farbstoffe Chinolingelb und Gelborange S.
Die Inhaltsstoffe des Vanille-Sahne-Puddings im Becher vom Discounter lesen sich da schon eher wie Chemievorlesung: Sahne, Zucker, modifizierte Stärke, Gelatine, Verdickungsmittel (Carrageen), Emulgator (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren), Aroma, Farbstoff (Beta-Carotin), Aufschlagmittel (Stickstoff).
Alles in allem frage ich mich zwei Dinge: Warum darf ein Pudding Vanillepudding heissen, wenn er nie Vanille aus der Nähe gesehen hat? Und wer hat mal entschieden, dass Vanilliges gelb zu sein hat?
Vanillepudding

Vanillepudding

Zutaten:
1/2 Liter Milch
1 Ei
40 g Speisestärke (Maisstärke)
50 g Zucker
1 Vanilleschote
1 Prise Salz

Da Ei trennen. Das Eigelb, die Stärke und den Zucker mit einer Prise Salz und 5 EL Milch verrühren. Restliche Milch mit dem Vanillemark und der Schote kurz aufkochen. Die Milch vom Herd nehmen und das Stärke-Zucker-Gemisch unterrühren. Wieder auf den Herd stellen und nochmal eine Minute kochen. Den Pudding etwas abkühlen lassen und das Eiweiss zu Schnee schlagen und dieses dann unter den Pudding heben. In Förmchen füllen und kalt stellen.
Für Schokopudding wird die Vanilleschote durch 25 g Kakaopulver ersetzt und mit in die Stärkemischung gegeben.
Der Pudding an sich ist natürlich noch vielseitiger und man kann ihn nicht nur in den beliebten Geschmacksrichtungen Vanille und Schoko zubereiten. So kann man zum Beispiel Zucker im Topf karamellisieren und erst mit etwas Wasser, dann mit der Milch ablöschen und schon ist man auf dem besten Weg einen Karamellpudding zu machen. Wie ihr auf dem Zutatenfoto seht sollte es bei mir auch nicht "nur" Vanillepudding geben. Ich wollte auch einen leckeren Maracujapudding machen. Ich mag Maracuja einfach unheimlich gern. Nur aus dem Pudding ist nix geworden. Stattdessen hat mir die Passionsfrucht (anderer Name für die Maracuja) mir eine Lehrstunde in Sachen Chemie erteilt, oder so. Ich habe nämlich die Milch gekocht und dann das Maracuja-Fruchtfleisch eingerührt. Die Milch sollte jetzt eigentlich nicht mehr kochen, aber ich hab sie auf die falsche Platte gestellt und somit kochte sie weiter. Als ich mich eine Minute später wieder dem Topf zugewandt habe war von den Milch nicht mehr viel übrig. Sie war augeflockt und in ihre Einzelteile zerlegt. Dumm gelaufen. Ich habe mal schnell gegoogelt, aber nichts gefunden, was mir das erklären könnte. Sind in der Maracuja irgendwelche Enzyme (?), die die dafür sorgen, dass sich die Milch in ihre Einzelteile zerlegt? Hat jemand mal einen Chemiker zur Hand?

Blog-Event LXI - The Real Deal (Einsendeschluss 15. Oktober 2010)

Kommentare:

  1. Das ist bestimmt das selbe wie: Keine Kiwis ins Joghurt.

    Statt Kakaopulver für Schokopudding herzunehmen, kannst Du auch eine ordentliche Bitterschokolade schmelzen und dann die Milch, die Stärke und den ganzen Rest einrühren. DAS ist the real thing :)

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  2. Also, ich bin keine Chemikerin, aber ich hätte mich sehr gewundert, wenn es mit den Maracuja in der Milch geklappt hätte. Die Früchte sind viel zu sauer, als dass das klappen könnte. Wenn Du was Saueres in Milch hinein gibts, dann flockt sie immer aus.

    Zum Schokopudding muss man vielleicht noch sagen, dass man unbedingt den besten Kakao verwenden sollte, den man kriegen kann. Das Ergebnis hängt allein davon ab.

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  3. Ich liebe Puddinghaut! Die ideale Puddingform ist flach und seeeehr breit, so gibt's am meisten Haut ;o)

    Wenn Du irgendwie an Valrhona-Kakaopulver kommst, probier das mal im Schoko-Pudding. Du wirst nichts anderes mehr wollen.

    Vanillepudding wird besonders gut, wenn man die Vanilleschote in der Milch aufkochen und dann ne Weile (gern auch ein paar Stunden) ziehen lässt. Das Aroma wird dadurch besonders intensiv.

    Ach, und noch was. Bei der Stärke probier mal Maisstärke aus, die ist für Pudding besser geeignet als normale Kartoffelstärke.

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  4. Notiere: Nichts Saures in Milchprodukte!

    @Andrea: Schokolade schmelzen und zugeben ist ein toller Tipp. So kann man auch seine Lieblingsschokolade zu Pudding machen :-)

    @nata: Wir kochen natürlich nur mit den besten Zutaten ;-) Naja, fast immer... Was wäre für dich der beste Kakao? Kannst du was empfehlen?

    @Steph: Und weil ich auf sowas nicht von alleine komme ist es gut, dass du hier ab un an mal reinschaust ;-) Flache, breite Form für mehr Haut. Das Leben kann so schön einfach sein.
    Die Schote in der Milch weiter ziehen lassen macht Sinn. So mach ich es ja zum Beispiel bei Sirup auch. Kann dem Pudding also nur gut tun. Und auch die Maisstärke probiere ich mal aus. Weisst du warum diese besser ist? Ist die auch besser zum Eindicken für Soßen und so?

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  5. Das mit der Maracuja würde ich nicht als Fehlschlag betrachten, sondern als real deal Frischkäse. Sozusagen für diejenigen, die eine Käseplatte dem süßen Dessert vorziehen.

    Wenn Google nicht mehr weiter weiß,springt Wikipedia ein:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Paneer

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  6. Pudding: yeah! Haut: bäääh! Aber so ein schöner lauwarmer Pudding an einem regnerischen Sonntag-Herbstnachmittag (von denen ja noch einige bevorstehen) hätte was :)
    Übrigens: Saures gerne in Milch, wenn Du Käse (bspw. indisches Paneer) machen willst ;-)

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  7. @Andreas und Anikó: Also habe ich ja doch nichts falsch gemacht. Nur eben etwas...ganz...anderes als ich wollte. Nunja. Gut, dass ich einen Blog habe, dessen Leser auch noch so kompetent sind, dass sie vielleicht selber mal einen Foodblog machen sollten ;-) Spaß beiseite. Demnächste gibt es hier indisch. Und zwar mit Paneer - absichtlich hergestellt. Freut euch drauf.

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  8. @Jim: Die normalen Supermarktsorten kannst Du getrost vergessen. Versuch es mal mit Valrhona, wie Steph es empfiehlt. Kann man im Internet bestellen oder in solchen Läden wie Frischeparadies kaufen.

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  9. Keine Ahnung, warum Maisstärke anders bindet als Kartoffelstärke, vielleicht hängts mit dem Mahlgrad zusammen, vielleicht hat die Stärke auch ne komplett andere Struktur, aber ein mit Maisstärke gebundener Pudding hat eine ganz andere Konsistenz als mit Kartoffelstärke - mit Kartoffelstärke wird er irgendwie schleimig, mit Maisstärke dagegen schön cremig, das ist wirklich ein himmelweiter Unterschied.
    Kartoffelstärke verwende ich nur für Klöße und zum Backen, Maisstärke dagegen zum Andicken von Saucen und eben für Puddings und natürlich auch zum Backen.
    Asiatische Saucen werden am Besten mit Tapiokastärke angeedickt, die ist noch n Tick feiner als Maistärke.

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  10. @nata & Steph: Vielen Dank euch beiden für die Empfehlungen und guten Tipps. Ich werde alles bei Gelegenheit ausprobieren und euch von meinen Erfahrungen und Ergebnissen berichten.

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  11. "Vielmehr geht es darum zu zeigen, wie man aus dem Alltag bekanntes Convenience Food selbermachen kann und damit auf fragwürdige Inhalts- und Zusatzstoffe verzichten kann."

    Coole Sache. Ich habe mich schon immer gefragt, wie man V-Pudding selber macht. Selbst Oma nimmt immer Dr. Oetker.

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  12. @ Steph,
    ich verwende zum Andicken i. d. R. Pfeilwurzmehl. Ginge das dafür auch?

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  13. Danke für den Tipp, Maisstärke zum Andicken von Pudding zu nehmen. Das ist toll, bis jetzt habe ich immer Kartoffelstärke genommen und der Pudding hatte nicht so eine gute Konsistenz. Nochmals Danke an Steph.

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  14. Stimmt, Pfeilwurzmehl habsch völlig vergessen.
    Hab ich bisher nur für Saucen verwendet, müsste aber auch gut klappen.

    Probier mal aus, AT!

    @ Kessiecat
    Freut mich sehr, dass Dir der Maisstärke-Tipp geholfen hat! :o)

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  15. Es ist schon erstaunlich, wie selbst einfacher Pudding so aus dem Alltagskochrepertoire verschwinden kann, wenn ersmal genug bunte Becher in den Regalen stehen. Nur die Hautliebhaber rühren zumindest noch selber. Danke fürs mitmachen!

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