Montag, 28. Februar 2011

Coffee And Cigarettes

Coffee And Cigarettes"Kaffee und Zigaretten gehen einfach gut zusammen", erklärte Arnold Schönberg einmal und mit seinem Episodenfilm "Coffee and Cigarettes" errichtete Jim Jarmusch dem Heldenfrühstück ein über zwanzig Jahre wärendes Denkmal. Ein Denkmal, das man auch als Nichtraucher genießen kann.

1986 setzte Jarmusch die erste Episode in Szene, als er Regisseur Roberto Benigni und den Kabarettisten Steven Wright an einem Café Tisch bei Kaffee und Zigaretten konfrontierte: Strange To Meet You. Das minimalistische Setting und die teils improvisierten Dialoge reiften mit der Zeit zu einer detailverliebten Spielerei Jarmuschs an, in welcher er zahlreiche Größen aus Film, Musik und Kunst sich selbst spielend an den schwarz-weißen Tisch einlud und teils absurd komische, teils philosophisch tiefgründige Gespräche bei und über Kaffee und Zigaretten führen ließ.

Da trifft Tom Waits etwa verspätet zu einer Verabredung mit Iggy Pop ein und entschuldigt sich mittels der Geschichte, dass er gerade eine Spontangeburt mitten auf einem Highway habe einleiten müssen. Er sei schließlich nicht bloß Musiker, sondern auch Mediziner. Iggy Pop ist so verblüfft wie überrumpelt von dieser Geschichte und es dauert eine Weile, bis beide ein unbehagliches Schweigen überwinden und anschließend darüber sprechen, wie wundervoll es sei, mit dem Rauchen aufzuhören, besonders, so Waits, da man schließlich jeder Zeit wieder damit anfangen könne. An einem anderen Ort brilliert Bill Murray mürrisch wie eh und je als Kellner, der von den beiden Wu-Tang Clan Köpfen RZA und GZA als Gäste über die Gefahren von Koffein und Nikotin aufgeklärt wird. Sein geringes Interesse an deren alternativmedizinischen Ideen bringt Murray zu Tage, indem er seinen Kaffee provokativ direkt aus der Kanne trinkt. Cate Blanchett überzeugt in einer Doppelrolle, in welcher sie während einer Drehpause bei einer Tasse Kaffee auf ihre neidische, desaströs sozialisierte Cousine trifft, und Jack White erklärt seiner White Stripes Partnerin Meg die brillianten Entwicklungen des kroatischen Erfinders Nikola Tesla. In der vielleicht schönsten Geschichte treffen Bill Rice und Taylor Mead - beide längst jenseits der Siebzig - während der Kaffeepause in einer Fabrik aufeinander und beweisen ein Gespühr für die Schönheit der Welt, die einem ein wundersames Lächeln auf die Lippen zaubert.

Insgesamt elf Gespräche präsentiert Jarmusch in seinem Episodenfilm, in welchen die oft wahrlos zusammengewürfelten Protagonisten sich stets gegenseitig abzutasten versuchen, die Schwächen ihrer Gegenüber ausmachen, um sich anschließend profilieren zu können. Wie Spieler sitzen sie sich an den kleinen Tischen gegenüber, auf dessen immer wiederkehrenden Schachbrettmustern Kaffeetassen und Zigarettenschachteln wie Springer und Turm hin und her geschoben werden. Jarmusch versucht mit diesem verbal mentalen Schachspiel das zwischenmenschliche Verhalten im Umgang mit anderen Menschen zu skizzieren. Schwächen, Verlangen und Obsessionen kommen zum Vorschein und bringen ebenso zum Lachen wie zum Nachdenken. Und immer wieder spielen sich die vermeintlichen Requisiten Kaffee und Zigaretten in den Vordergrund, wirken wie ein Katalysator auf Gedanken und Gespräche.

Und was gibt es jetzt zu Essen? Nichts natürlich, denn ein weiteres Element würde das fragile Gerüst zusammenbrechen lassen. Dennoch sind wir noch nicht am Ende, und auch wenn ich als Nichtraucher nichts zum Genuss einer Zigarette hinzufügen kann, möchte ich darauf Hinweisen, dass auch die Zubereitung eines guten Kaffees nicht überhastet geschehen sollte.

Es gibt verschiedene Kaffeesorten und wie bei den meisten Lebensmitteln, sollte man sich auch für seine tägliche Tasse Kaffee für gute Qualität entscheiden. Biologischer Anbau ist ein Kriterium, ein fairer Handel ein weiteres. Wie Duft, Geschmack und Fülle beurteilt werden, hängt hingegen von den Sorten und der Verarbeitungsform ab. Carolin und Annika von der Black Pirate Coffee Crew (allein der Name schon!!!) bieten eine gute Auswahl fair gehandelter und biologisch angebauter Kaffeesorten aus kleinen Röstereien an und glänzen mit viel Hintergrundwissen. Ich bin derzeit von deren arabica "Black Pirate's Pearls" angetan. Wie auch immer eure Wahl ausfallen sollte, die BPCC-Mädels betonen fünf Schritte, auf dem Weg zur guten Tasse Kaffee und denen kann ich mich nur anschließen:

1. Das beste, was den Bohnen für den Genuss passieren kann ist, dass sie immer erst direkt vor der Zubereitung gemahlen werden. Genau so mache ich das auch und verwende dafür eine kleine handbetriebene Kaffeemühle.
2. Filter sind im Gegensatz zu ihrer Beliebtheit eine schlechte Idee für die Zubereitung. Warum? Habt ihr schon einmal einen Kaffeefilter nachdem das Wasser hindurchgelaufen ist gegen das Licht gehalten? Habt ihr diese wunderschönen, in allen Regenbogenfarben schillernden Nuancen darin gesehen? Umwerfend, oder? Das sind die feinen ätherischen Öle des Kaffees und mal ehrlich, wäre es nicht schöner, wenn die nicht an dem zum wegwerfen verdammten Filter kleben, sondern in eurer Tasse enden würden? Dann sind wir uns ja einig. Ich verwende daher eine French Press Kanne, die ich für sehr unkompliziert und leicht zu reinigen halte und sie im Gegensatz zu etwa einer Karlsbader Kanne bezahlbar bleibt. Dafür mahlt man die Bohnen zu recht grobem Kaffeemehl und gibt dieses direkt in die Kanne. Ja, die French Press verzichtet auf jegliche Filter.
3. Als nächstes das heiße Wasser direkt auf den Kaffee gießen. Das Wasser sollte im Idealfall etwa 90° haben, also nicht mehr kochen. Einfach nach dem aufkochen bis zehn zählen, und ihr seid gut dabei.
4. Jetzt umrühren! Wenn der Kaffee in der Kanne ausschaut wie ein kühles Guinness, habt ihr soweit alles richtig gemacht.
5. Nach 3 bis 4 Minuten hat der Kaffee genug gezogen, so dass man den Stempel der Kanne langsam herunterdrückt. Und schon geht es an den Genuss.

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Mehr Beiträge aus der Reihe Essen wie im Film.

Kommentare:

  1. Großartiger Film. Auch die Art und Weise, wie ich ihn das erste Mal sah, mitten in der Nacht auf einem Festival in einer Burgruine auf der Leinwand. Unglaublich gute Atmosphäre.

    Was Kaffee angeht, so liebäugele ich gerade auch an einer Brühvariante mit frischen Bohnen. Und schwanke zwischen French Press und Aero Press. Letztere wurde mir von meinem barista-erfahrenem Kollegen ans Herz gelegt. Mal schauen, was es wird. :)

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  2. Ja, sehr gelungener Film. Einer meiner liebsten Jarmusch Filme, hatte ihn ja bereits in meiner Top5 der Episodenfilme erwähnt.

    Ja, die Aeropress habe ich auch schon mal näher angesehen. Ich finde daran glaube ich einerseits unpraktisch, dass man eine seperate Kanne benötigt und dass diese ganze Presse ein sehr großes Ding ist, was rumsteht. Qualitativ kann ich dazu nichts sagen, ich habe noch nie Kaffee daraus probiert. Ich bin mit der French Press wie gesagt sehr zufrieden. Und der Barista hier auch. ;)

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  3. Das mit der Kanne stört mich auch ein bisschen. Ach, mal schauen. Am Ende werde ich wahrscheinlich eh beides haben, kann mich ja nie entscheiden. ;)

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  4. Abhängig davon, wo du dir die eine oder die andere kaufen würdest, kannst du vielleicht auch vor Ort testen.

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  5. French Press kenne ich zumindest, wir haben eine Büro. Wenn auch leider nur als Notfallkaffeezubereiter, wenn der, in meinen Augen, unglaublich miese, WMF-Vollautomat mal wieder seinen Geist aufgibt. Aber da mein Kollege morgen Besuch aus England kommt und dieser Besuch zufällig einen Kaffeezubehörladen hat, bekomme ich auf jeden Fall schon einmal eine Aeropress mitgebracht. Zum Testen und bei Gefallen zum Behalten. Sonst nimmt sie der Kollege. Auch ein netter Deal.

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  6. Genialer Film, vor allem wenn man dabei Kaffee trinkt und raucht. Dann macht er noch viel mehr Spaß.
    Und die Seite von Black Pirate Coffee Crew wird jetzt gleich mal geentert!!! Danke für den Tipp, ich wühl mich jetzt weiter durch alte Einträge ;)

    Und Trash ist doch toll! Und Essen UND Trash ist noch viel besser, das darfst du also durchaus als Kompliment auffassen ;)

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