Montag, 7. November 2011

Scheiße, wir stehen in einem echten Kochbuch!

scheisse was koche ich heute
Vulgärsprache mag ich sehr gern. Ich beneide die englische Sprache etwa um deren flexiblen Begriff „fuck“, der als Nomen, Verb, Adjektiv, Adverb oder Interjektion verwendet werden und dabei von Zorn, Nachdruck, Empörung, Missachtung und Überraschung bis zum Glücksgefühl alles ausdrücken kann: also sowohl als Fluch dahingerotzt (Fuck this and fuck that!), als Hervorhebung integriert (That's fucking obvious!), oder als Ausdruck höchster Begeisterung angebracht werden kann (Do I like it? Fuck yeah!) und dabei syntaktisch so variabel bleibt wie ein Sandwich (Mac-fucking-Gyver!) In dem Film Pulp Fiction taucht das Wort fuck 265 Mal auf, in 37 verschiedenen Verwendungsarten. In der deutschen Synchronisation muss beim F-Word stark variiert werden, was ich im Folgenden ganz nebenbei darlegen werde. (Ich bitte die folgenden verbalen Ausfälle als reines Studienmaterial zu betrachten! Lieber Kinder, bitte nicht weiter lesen.)

Die englische Website whatthefuckshouldimakefordinner.com (What the Fuck should I make for Dinner dot fucking com) des New Yorkers Zach Golden stellt nicht nur eine verdammt (fucking) gute Frage, der verflucht (fucking) clevere Titel ist dabei auch noch ungemein (fucking) witzig. Die Seite bietet seit einigen Jahren eine Antwort auf die alltagsnahe Frage: Was zum Teufel (what the fuck) soll ich heute kochen? Dabei schlägt sie bei jedem Besuch ein Gericht vor, dessen Rezept man mit einem Klick erfährt, sobald man mit einem völlig überzeugten „Ja Mann!“ (fuck yeah!) darauf klickt. Nun ist die Seite aber eben kein absolut (fucking) großartiger und alles umfassender Foodblog, sondern eine außergewöhnlich (fucking) originelle Linkschleuder, die lediglich auf solche verweist. Hat man kein Interesse an dem Gericht oder will einfach kein blödes (fucking) Fleisch essen, bekommt man via Klick ein neues Gericht vorgeschlagen. Ziemlich (fucking) smart, oder?

Eine Gruppe von Möbelvertreibern (Kein Scherz? No fuck?) kam auf die Idee, die Seite auch auf deutsch und dementsprechend mit Verweis auf deutschsprachige Foodblogs einzurichten. Der Titel: scheissewaskocheichheute.de (Scheiße was koche ich heute – niedlich finde ich, dass sie das Verb „kochen“ trotz rotziger Note korrekt konjugiert haben). Mist (fuck!), auf die Idee hätte man auch selber kommen können, oder? Sowohl Prinzip als auch das Design sind sehr dicht am Original und damit ebenso unterhaltsam, flexibel und praktisch.

Ihr erinnert euch an den Titel dieses Eintrags? Die Sache mit dem Kochbuch? Dazu komme ich jetzt. Denn so wie ihr englischsprachiger Vorreiter, haben auch die deutschen Betreiber gedacht, warum nicht ein wirklich echtes (fucking) Kochbuch mit der Idee machen? Gesagt, getan, wie das bei Handwerkern so ist. Denke ich. Scheiße, was koche ich heute? - das Kochbuch. Eine Auswahl von 55 Rezepten verschiedenster Foodblogs, die als Antwort auf eben jene Frage angeboten werden. Und darunter ist eben auch ein Rezept von NKFOM (NKFO-fucking-M). Dieses hier, dass wir (unentgeldlich) beigesteuert haben. Das Buch ist schlicht gehalten und genauso aufgebaut wie die Website: Titel, Zutatenliste, Rezept sowie Name und Adresse des Foodblogs, aus dem das Gericht stammt. Das bringt am Ende zwei Dinge: erstens eine Auswahl von tollen Gerichten der Blogsphäre und zweitens eine Übersicht von 55 deutschsprachigen Foodblogs, auf die man sich vielleicht mal stürzen sollte. Abweichung zum englischsprachigen Pendant ist der Zufallsgenerator, den die deutsche Version als Gimmick mitbringt. Steht in der englischen Ausgabe auf jeder Rezeptseite ein Verweis auf eine andere Seite im Buch, falls man mit dieser nicht zufrieden ist (das klassische DSA-Soloabenteuer), bietet die deutsche Ausgabe zwei Würfel als Entscheidungsbringer, die bei nicht gefallen zum Ermitteln einer neuen Seite gerollt werden. (Wobei die Mathematiker und Rollenspieler unter uns zurecht fragen werden, ob sich denn mit zwei W6 tatsächlich alle Seiten von 11 bis 66 erwürfeln lassen können.) Wir freuen uns, dass die Jungs und Mädels das Projekt gestemmt haben, dass wir dabei sind, und hoffen, dass das ganze Projekt ein Erfolg wird und sie am Ende nicht auf den Kosten sitzen bleibend (fucked) dastehen.

Wie auch immer, wir stehen in einem echten Kochbuch! Brat mir ’nen Storch! (Fuck me!)

Kommentare:

  1. Fucking great! :D

    Die Namen der 54 anderen Foodblogs würden mich interessieren.

    AntwortenLöschen
  2. Bloody brilliant!
    (Fucking great!)

    AntwortenLöschen
  3. der exkurs über das schöne wörtchen fuck pläsiert mich sehr :)

    und hell yeah, congratufuckinglation!

    lecker, lecker!!^^

    AntwortenLöschen
  4. tihihi! :-) danke für die kurzweil in der mittagspause. musste da an ein bier aus dem oberösterreichischen fucking denken, über das ich neulich gestolpert bin, das passt grad so schön: http://www.fucking-hell.at/

    AntwortenLöschen
  5. Glückwunsch! Grandioses Posting!

    AntwortenLöschen
  6. Herzlichsten Glückwunsch! Unfuckingbelievable!

    Wenn allerdings meine persönliche Rezeptsammlung auch als "echtes" Kochbuch gilt, steht Ihr schon lange in einem ;)

    Das mit den Würfeln ist mir übrigens auch als Nicht-Mathematiker gleich aufgefallen. Wahrscheinlich können die Autoren besser kochen als rechnen.

    AntwortenLöschen
  7. Fuck! Ich hätte nicht gedacht, dass euch das Wort so viel Spaß macht! Vielen Dank für die fucking brilliant Kommentare. Gern mehr.

    Hesting: Kauf das fucking Buch und du findest es heraus. ;) (Ansonsten ist u.a. der Herr Stiller dabei und auch die Frau A.D.)

    Chrsitina: Fucking hell kenne ich natürlich und konnte damit auch schon den ein oder anderen Begeistern.

    Sarah: Fucking great, dass wir darin stehen!

    AntwortenLöschen
  8. Na, ja. Ueber das F-word kann man sich streiten. Ich finde es eher peinlich, wenn jemand meint es muesste sein Vokabular beherrschen. Kommt auch meist nicht gut an-ueberhaupt nicht gut und hinterlaesst auch a very poor impression of the person using it. May not to recommend.
    Nur mal so am Rande erwaehnt.

    AntwortenLöschen
  9. Kirsten, of course you're right with your concern. Let me assure you, if we ever meet in person, I'd watch my mouth. ;)
    Seriously, I usually use neither the f-word nor German equivalents in public. Still, I think the f-word is kind of funny, if you use it completely out of context - like in that food-website - or in an exaggerated way - like in my post. Also a pretty important aspect is that it's a foreign word if used in German. 'Scheisse' for example doesn't do the job and it leaves the poor impression you mentioned. (But from a linguistic point of few, it's unbelievable in which diverse way you can actually use the f-word. I don't think we have a German expression like that.)

    So keep in mind this was only meant to be fun. Blimey.

    AntwortenLöschen
  10. Jetzt klingt es gar nicht mehr so schlimm, die hätten Dich vielleicht von Anfang an ihre PR machen lassen sollen. Ich habe die Anfrage jedenfalls dankend abgelehnt. Aus einer Vielzahl von Gründen, aber einer war auch, mein Essen nicht im Zusammenhang mit dem Wort "Scheiße" zu wissen. Und irgendwie klingt "shit" und "fuck" immer noch cooler. Aber ich gratuliere Euch ganz herzlich und wünsche Euch fuckin' viel Spaß und Erfolg damit! :)

    AntwortenLöschen
  11. Habt ihr den Scheiß auch mitgemacht?!? Scheiße, ich auch!!

    AntwortenLöschen
  12. AT: Ich muss gestehen dass ich Fuck mit Scheiße übersetzt auch nicht die beste Wahl finde wenn es ums Essen geht, aber wir fanden es von Beginn an eine lustige Idee, daher waren wir gern dabei. Und dein PR-Kompliment ehrt mich. ;) Fuck Yeah!

    Claus: High-fucking-Five!

    AntwortenLöschen
  13. Fucking made my day!

    AntwortenLöschen
  14. Verfickte Scheiße: JA!
    (wir hatten das an anderer Stelle ja schon mal. Ein hoch auf Vulgärausdrücke!)

    AntwortenLöschen
  15. Ich bin ja immer noch für ein "Talk-in-Vulgärsprache-Day." Mir fucking scheißegal, wie andere das finden.

    AntwortenLöschen
  16. Ich finde ja, das "fuck" und "shit" in deutschen Ohren weniger ordinär klingen als z.B. "scheiße". "Scheiße" ist doch ein extrem hässliches Wort. Erträglicher sind da noch "Verdammt" oder "Mist". Aber "fuck" ist halt englisch und Englisch nun einmal nicht unsere Muttersprache. Ein native speaker wird sich z.B. mehr an einem "Fuck off!" stoßen als wir, glaube ich. Und wir würden in diesem Beispiel wohl "Verpiss Dich!" schlimmer finden als "Fuck off". Ich jedenfalls. Trotz sehr viel Umgangs und Vertrautheit mit der engl. Sprache.

    AntwortenLöschen
  17. Dazu fällt mir dann doch wieder der Michi Mittermeier ein: http://www.youtube.com/watch?v=cU2_3mAghLY

    AntwortenLöschen
  18. A.D.: Fuck yeah. ;)
    Sarah: Ganz wichtig, sehe ich auch so.
    Andrea: Daran kann ich mich auch erinnern. Krass übrigens das Outfit und die Kameraführung, oder? Ach, die Neunziger.

    AntwortenLöschen

Auch anderer Meinung als Jim? Hinterlass einfach deinen Kommentar.

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...