Mittwoch, 15. Juni 2011

Gegrillte Austernpilze mit Brotfritten für Kochmuffel

Kochmuffel - Ursula Karven Sebastian Dickhaut
Der Titel erinnert irgendwie an eines der alten Freundebücher, die man in seiner Klasse verteilt: "Mein Kochbuch für Kochmuffel". Auf dem rosa Hintergrund sitzt eine schlanke Frau im Yogasitz und trägt eine gezeichnete Kochmütze. Der Gedanke, dass es hier um ayurvedische Ernährungstipps und Doshas geht, ist falsch. Die Autoren sind Ursula Karven und Sebastian Dickhaut. Ursula Karven? Kenn ich die nicht aus dem Hamburger Tatort, damals noch mit Dr. Markus Specht? Wikipedia listet mir eine Reihe von Fernsehproduktionen und B-Movies auf, aus denen ich sie aber gewiss nicht kenne und auch ihre Bücher habe ich nicht gelesen. Bei denen handelt es sich vornehmlich um Fitness und Wellness Ratgeber mit Schwerpunkt Yoga und, bei allem Respekt, meine innigste Bezeihung zu Yoga ist Dahlsim, aber das hilft mir vermutlich auch nicht weiter. Sebastian Dikchaut hingegen hat keine Wiki-Seite, dafür lese ich auf seiner Hompegae die kuriosen Berufsbeschreibungen "kulinarischer Autor und Journalist, Foodfilmer und Wunderwürzer, Gastgeber und Erfinder". Das liest sich wie die Berufsbezeichnung von Indiana Jones, minus coolness. Nun gut, da haben wir also zwei Menschen, von denen ich bislang nichts gehört habe und die machen ein Kochbuch für eine Spezies von Leuten, die sie mit dem etwas altbackenen Begriff "Kochmuffel" erfassen wollen. Unterm Strich gewinnt man damit nicht mal den obilgatorischen Blumentopf. OK, das pastellige rosa des Covers mag ich, aber ob das genügt? Schauen wir uns die Bewertungskategorien im Einzelnen an:

Persönlichkeit - ★★★★★☆☆
Ausgangspunkt ist die selbsterkannte Kochmuffeligkeit von Frau Karven, der sie gemeinsam mit Herrn Dickhaut abhilfe verhschaffen möchte. Über das gesamte Buch verteilt wird dies immer wieder thematisiert. Frau Karven stellt Fragen oder macht Anmerkungen und Herr Dickhaut kommentiert. Das wirkt schon irgendwie gestellt, aber rutscht nie ganz ins peinlich-alberne ab, insofern ist das schon OK. Interessant ist eben die Perspektive: es geht weniger darum, dass man überhaupt nicht kochen kann, sondern vielmehr darum, dass man sich einfach nicht dazu aufraffen kann. Da das aber trotzdem irgendwie gestellt wirkt, belassen wir es mal bei fünf Sternen.

Rezepte - ★★★★★★☆
Die Auswahl der 80 Rezepte hängt eng mit der Strategie des Kochbuchs zusammen. Um den geneigten Leser zum Kochen zu annimieren, stellen die beiden sozusagen ein achtwöchiges Programm zusammen, welches bei einfachen, aber leckeren Gerichten beginnt und sich dann langsam in Aufwand und Zubereitungszeit steigert. Vom Pesto-Rührei und Tofu mit Tomaten-Orangen-Lorbeer-Sauce steigert man sich stetig über Zander in Nusskruste und Radieschen Curry hin zu Chicorée-Gratin und einem Rüben-Nuss-Risotto. Mit zum Konzept gehört es, dass für jede Woche zunächst ein Einkaufszettel präsentiert wird, nach dem man sich richten kann. Außerdem werden mit der Zeit langsam etwas ungewöhnlichere Zutaten eingeführt, vorgestellt und in unterschiedlichen Rezepten verwendet. Und, das ist tatsächlich clever, meist zum Wochenende hin wird ohne großen Aufwand mit Resten der Vortage gekocht. Selbstorganisation steht hier im Vordergrund und ist sozusagen die Geheimwaffe gegen Kochmuffeligkeit. Persönlich kann ich mit diesem Korsett nicht viel anfangen, auch, weil nicht auf saisonale Produkte geachtet wird und mir nuneinmal meine Gemüsekiste oft den Weg angibt. Dennoch kann mich die Auswahl beim Durchblättern begeistern, denn es gibt viele Gerichte die mir sofort zusagen und auf die ich direkt Lust bekomme. Auch die kleinen Tipps und Hinweise am Rand sind oft sehr hilfreich. Und für den Anfänger macht dieses Kochbuch - im Gegensatz zu manch anderem - sehr viel richtig. So wird das Buch mit einigen Grundlegenden Hinweisen - welche Kochutensilien sollte ich wirklich haben und welche Preise sind dabei realistisch? - und einigen Einkaufstipps - zu welchem Essig und welcher Sojasauce greife ich denn bei dem unübersichtlichen Angeboten im Supermarkt eigentlich? - eingeleitet und diese sind teilweise sehr willkommen. Die Rezepte selbst sind dann einheitlich für etwa 4 Personen angegeben (entspricht etwa Jim + George + Gast) und in einfachen Schritten dargestellt. Auch schön, rund 60 der Rezepte sind vegetarisch, oder es werden Tipps gegeben, wie man sie vegetarisieren kann.

Fotos - ★★★★★☆☆
Jedes Gericht ist mit einem Foto abgebildet. So will ich das sehen, denn das ist meines Erachtens nach eine Grundvoraussetzung. Zwar erreichen die Leckereien dabei nicht foodpornographischen Status, aber sie bleiben solide und man kann sich gut vorstellen, wie das jeweilige Gericht aussehen sollte (und könnte), wenn man es nachkocht. Hinzu kommen zahlreiche Fotos, auf welchen die beiden Autoren in irgendwelchen Koch- oder Essensspezifischen Situationen zu sehen sind. Da habe ich auch schon originelleres gesehen, aber solange deshalb nicht auf die Bilder der Gerichte verzichtet wird, soll mir das egal sein.

Übersichtlichkeit - ★★☆☆☆☆☆
Die Gerichte selbst sind sehr übersichtlich und einheitlich gestaltet und machen einem keine Schwierigkeiten. Das Buch gesamt hingegen ist, wie schon beschrieben, vor einer bestimmten Strategie zusammengestellt. Folgt man dieser Tag für Tag, hat man einige abwechslungsreiche Wochen vor sich. Will man dieser nicht folgen, und ich behaupte einfach mal völlig ungesichert, dass die meisten dies nicht tun werden, ist das Buch unübersichtlich. In jedem Kapitel finden sich Gerichte jeder Art und der steigende Schwierigkeitsgrad als roter Faden hilft einem bei der Suche nach einem bestimmten Gericht nicht weiter. Die begrenzte Anzahl und die Fotos sind bei einem raschen Durchblättern zwar dienlich, dennoch bleibt das gezielte Suchen umständlich. Wenig hilfreich bleibt leider auch das Inhaltsverzeichnis, denn wer kommt schon auf die Idee eine Erdbeermarmelade unter "K" zu suchen? Richtig, nur die Autoren, die sie "Kalt gerührte Beerenkonfitüre" genannt haben. Das hätte deutlich besser sein können.

Kommen wir zum Praxistest. Da die Grillsaison längst begonnen hat und ich in meinem Umfeld zum Größten Teil die gemeinen Würstchen-oder-Steak-Griller habe, ist es immer wichtig, gute vegetarische Grillrezepte in der Tasche zu haben. Also habe ich mir etwas für den Grill ausgesucht. Die Beilage war das erste Gericht, bei dem ich sofort hängen blieb, weil es so simpel wie effektiv ist, und dabei einem Namen trägt, vor dem ich meinen Hut ziehe: Brotfritten. Besser auf den Punkt und trotzdem lässig, hätte ich das auch nicht bringen können. Here we go:

Gegrillte Austernpilze mit Brotfritten für Kochmuffel
Gegrillte Austernpilze mit Brotfritten

Zutaten:
600g Austernpilze
1 EL Balsamico Essig
1 EL Sojasauce
1 TL Honig
2 EL Tomatenketchup
5 EL Olivenöl
2 EL scharfes Paprikapulver
1 TL gemahlener Kaffee

4 Scheiben Kastenweißbrot
2 EL Butter
2 EL Öl
Salz & Pfeffer

Die Austernpilze säubern und ggf. zerteilen. Die Zutaten für die Marinade in einer Schüssel vermengen, die Pilze darin wenden und gut 15 Minuten darin ziehen lassen. Grill anwerfen. Für die Brotfritten das Weißbrot in fingerdicke Streifen schneiden. Butter und Öl in der Pfanne erhitzen und die Fritten von allen Seiten rund 2 bis 3 Minuten knusprig braten. Anschließend mit Salz und Pfeffer (oder allem was euch so einfällt) würzen. Jetzt noch die Austernpilze rund 3 bis 4 Minuten grillen und dabei einmal wenden. Ab die Post.
Rezept drucken

Praxistest - ★★★★★★☆
Ich muss gestehen, dass mir die Brotfritten etwas zu fettig waren, ansonsten haben sie mich aber nicht enttäuscht. Lecker, würzig, knusprig, schnell gemacht. Eine hervorragende Allzweckwaffe. Bei den Austernpilzen begeistere mich vor allem die Marinade, denn ich glaube, dass das hier ein guter Kandidat für eine vegetarische Variante der BBQ-Sauce sein könnte. Da die ja normalerweise aus nichts anderem als ausgewrungenem Schwein besteht, hatten Vegetarier hier immer das Nachsehen, aber das hier kommt wirklich gut und man kann darin sicherlich noch viel mehr marinieren als die Pilze. Die waren aber wirklich lecker und eine Bereicherung für die vegetarische Hälfte beim nächsten Grillen.

Geben wir nun die Einzelwertungen in meine geheime Formel mit der Bauchgefühlskonstanten ein, erhalten wir folgendes, subjektives Ergebnis:

Gesamtwertung - ★★★★★
Einfacher, aber kreativer Umgang mit Leckereien und ein guter Einstieg für Anfänger.

Ottolenghi Genussvoll Vegetarisch
Ursula Karven / Sebastian Dickhaut
Mein Kochbuch für Kochmuffel
80 genial entspannte Rezepte
176 Seiten, 100 Fotos, Hardcover
erschienen bei Gräfe und Unzer
ISBN 978-3-8338-2234-6
19,90 €

Kommentare:

  1. Klingt nach einem schönen Buch. Werd ich wohl auch nochmal einen etwas genaueren Blick hineinwerfen müssen.
    Aber viel wichtiger: Geiles gif-Dingsbums! Sowas will ich auch mal können...

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  2. Das Rezept hört sich wirklich gut an, wird beim nächsten Grillen nachgebastelt. Die Rezepte vom Herrn Dickhaut sind eigentlich immer gut, zumindest die aus seinem alleinigen Kochbuch :-)
    Und ja, das GIF-Dingsi ist voll cool!

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  3. Oh, Frau Karven kenne ich auch bloß, weil die Beste eines ihrer Yoga-Bücher hat. ;) Das Cover wirkt auch so, als ginge es in die Richtung, aber es klingt tatsächlich gar nicht schlecht.

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  4. Sebastian Dickhaut ist mir auch als Quelle für brauchbare Rezepte bekannt (allerdings erst, seit ich Effilee lese ...).
    Das Cover wirkt auf mich eher abstoßend, aber ich weiß ja jetzt, was drin ist. :)

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  5. Anikó: Ja, probier mal aus, mir hat es echt gefallen. Und schön, dass dir das Foto gefällt. Nomnomnom.

    Stiller: Aha, die beste macht also Yoga. Same here. Aber nichts von Frau Karven.

    Hesting: OK, dann werde ich demnächst mal ein Auge auf den Herrn Dickhaut werfen, Jim murmelte auch soetwas von der ist schon gut. Das Cover, wie gesagt, geht in die völlig falsche Richtung.

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  6. Kannst du schon machen, George. Ist schon ein guter. Neben einem Blog kenne ich ihn vor allem aus dem Radio, wo er Sonntags mittags bei Bärbel Schäfer das Sonntagsbraten rettet. Vielen Leuten ist er bzw. sind seine Rezepte bekannt aber nicht der Name. Die GU-Reihe "Basics" ist unter anderem auch von ihm.

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  7. Antworten
    1. Was dachtest du denn, woraus BBQ-Sauce besteht?

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